20Januar

Jojo Rabbit

Ab 23.Januar im Kino, empfohlen ab 15 Jahren

„Jojo Rabbit“ ist eine schwarzhumorige Satire auf den nationalsozialsozialistischen Führerkult und Untertanengeist, die das reale Grauen in ungewohnt bunte Bilder fasst – und doch die schreckliche Wahrheit nicht beschönigt. Anhand seines Titelhelden stellt der mehrfach ausgezeichnete Film die stets virulente Frage, wie man selbst sich in einer ähnlichen Situation verhalten würde.

Eine deutsche Kleinstadt während des Zweiten Weltkriegs: Der zehnjährige Jojo Betzler ist ein glühender kleiner Nazi. Von Kindesbeinen an mit der Hassideologie der Nationalsozialisten indoktriniert, kann er es kaum erwarten, endlich der Hitlerjugend beizutreten. Seine Hoffnungen werden allerdings enttäuscht. Als er es im HJ-Lager nicht übers Herz bringt, einen Hasen zu töten, hat er seinen Spitznamen weg – "Jojo Hasenfuß". Zum Glück hat er seinen imaginären Freund Adolf, der Adolf Hitler zum Verwechseln ähnlich sieht und ihn immer wieder ermutigt, auf dem Weg zum perfekten Nationalsozialisten nicht aufzugeben. Trost findet Jojo auch bei seiner liebevollen Mutter Rosie, die alleine für ihn sorgt, während sein Vater weit weg von zuhause als Soldat kämpft. Allerdings scheint Rosie die Nationalsozialisten nicht sonderlich zu mögen. Ist sie gar im Widerstand gegen das Regime aktiv? Jojos Gewissheiten werden endgültig erschüttert, als er auf dem Dachboden das jüdische Mädchen Elsa entdeckt, das die Mutter dort versteckt. Sie ist keineswegs bösartig und hinterhältig, wie es die NS-Propaganda von den Juden behauptet, sondern eigentlich sehr nett. Doch um Elsa, seine Mutter und, wie er schnell begreift, sogar sich selbst vor der Verfolgung durch die Gestapo zu schützen, müsste er seine Ideale verraten.

„Jojo Rabbit“ ist eine schwarzhumorige Satire auf den nationalsozialsozialistischen Führerkult und Untertanengeist, die das reale Grauen in ungewohnt bunte Bilder fasst – und doch die schreckliche Wahrheit nicht beschönigt. Mit Jojos Kinderaugen blickt Regisseur Taika Waititi auf eine Welt, in der die Erziehung zu blinder Selbstaufgabe, Hass und Gewalt die Normalität bildet. Mit groteskem Witz verdeutlicht der Film zunächst die Absurdität dieses Systems, wenn etwa im HJ-Camp antisemitische Hetze und Bücherverbrennung "zum Spaß" eingeübt werden und die jugendliche Begeisterung in Zeitlupe und mit deutschsprachigen Versionen von Bowie- oder Beatles-Hits – ein bewusster Anachronismus – illustriert werden. Jojos Fantasie-Hitler dient ihm als Vaterfigur und versinnbildlicht seinen traumhaften Zugang zur Alltagsleben im Krieg, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Mit den Figuren der Mutter und Elsas rückt schließlich die Perspektive der Opfer in den Vordergrund. Die fröhlichen Farben werden düsterer, die Komödie entwickelt sich zum Drama. Wie der verunsicherte Jojo wird auch das Publikum angehalten, die Trugmacht falscher Bilder zu durchschauen und den Wert von Menschlichkeit zu erkennen. Gerade in verrohten Zeiten ist sie nicht Schwäche, sondern Stärke.

Dieser FilmTipp ist eine Übernahme eines "Filme aktuell" auf kinofenster.de

Autor: Philipp Bühler, 07.01.2020

 

Nachtrag der bambinibambini-Redaktion:

Das American Film Institute (AFI) zählt JOJO RABBIT zu den zehn bedeutendsten Filmen des Jahres 2019. Die Hollywood Critics Association Awards 2020 (HCA Awards) nominierte den Film 5-mal, u.a. in den Kategorien Bester Film, Bester Regisseur und Bestes adaptiertes Drehbuch. Auf dem Toronto International Film Festival 2019 wurde JOJO RABBIT mit dem People’s Choice Award ausgezeichnet. Bei den Golden Globes erhielt JoJo Rabbit zwei Nominierungen als Bester Film in der Kategorie Musical oder Komödie und Roman Griffin Davis als Bester Hauptdarsteller.
Die Jury der Bafta Awards, die ihre Preise für die bedeutendsten nationalen Filmpreise Großbritanniens vergibt, nominierte den Film 6-mal, u.a. für das Beste adaptierte Drehbuch, Bester Schnitt, Beste Filmmusik und Scarlett Johansson als Beste Nebendarstellerin.
JOJO RABBIT wurde von der FBW (Filmbewertungsstelle) mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet.

Wir meinen: unbedingt ansehen!

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